Auf dieser Seite sollen mir bekannte Flechttechniken beschrieben und die benötigen Werkzeuge vorgestellt werden. Die Seite wird von mir nach und nach erweitert.

Schwingen (auch Rahmenkörbe, Schanzen, Wannen oder Rispen)

Diese Korbart war früher in vielen Gegenden Europas auf dem Lande zu finden. Je nach Herkunft sind deshalb auch ganz unterschiedliche Bezeichnungen für die gleiche Korbart entstanden. In der Winterzeit, als alle Erntearbeiten erledigt waren, ging man in die Natur und schnitt sich das nötigte Flechtmaterial, meist Weiden. Daraus stellte man Ernte- und Gebrauchskörbe jeder Art her, um für das nächste Erntejahr gerüstet zu sein.

Bei der Schwingenflechterei wird weder ein separater Boden noch ein spezieller Rand geflochten. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass man einen Rahmen aus einem oder mehreren Ringen baut (daher auch die Bezeichnung „Rahmenkorb“, im Englischen „rib basket“ und im Französischen „Vannerie en arceux“ genannt).

Es werden Ringe gebogen (rund, oval eckig, tropfenförmig und alle möglichen freien Formen) oder Äste,Treibholz usw. in eine Ringform gebracht. Die Verbindung der Ringe kann gedübelt, genagelt, gedrahtet oder geschraubt sein und wird dann mit Weidenschienen als Kreuzverbindung mit dem Gottesauge oder einer anderen Wickelform fixiert. In das Gottesauge werden Bögen eingelegt, welche das Gerüst des Korbes bilden. Sind zwei Ringe eingearbeitet, so dient oft ein Ring als Henkel.

Das Korbgerüst wird in der Regel von beiden Seiten zur Mitte hin ausgeflochten. Durch den einfachen Flechtrhythmus „vor 1 hinter 1“ entsteht ein Korb wie aus einem Guss. Der Flechtfaden schwingt dabei meist von Rand zu Rand hin und her, (daher auch die Bezeichnung „Schwinge“).

Aufgrund unterschiedlich geformter Ringe und diversen Einlegemöglichkeiten samt unterschiedlichster Anzahl, Form, und Größe der Bögen ergibt sich eine unglaubliche Fülle an Variationsmöglichkeiten der Korbform.

Als weitere Variante ist das Einlegen der ersten Bögen auch mit Weidenruten möglich, die mit einem Zungenschnitt versehen sind. Diese Zungen werden um den Ring des Korbes oder eines Stockes nacheinander herumgelegt und halten sich durch die straffe Wicklung gegenseitig bis sie mit Flechtweiden eingeflochten sind. Es gibt auch die Möglichkeit Bögen nur gegen den Randring zu legen, beispielsweise mit einer Kreuzwicklung zu fixieren und dann einzuflechten.

Erntekorb in Schwingentechnik
Erntekorb in Schwingentechnik
Kleine Schwinge
Kleine Schwinge

 

Stakenkörbe (geschlagene Arbeit)

Die Stakenflechterei ist in unseren Breiten die gängigste und am weitesten verbreitete Flechttechnik der Weidenflechterei. Es wird zuerst ein Korbboden (rund, oval oder eckig) geflochten. In diesen Boden werden anschließend Ruten (Staken) gesteckt, die das Gerüst für die Korbwand bilden. Diesen Vorgang nennt man „Aufstaken“. Nachdem die Staken mit einer Kimmrunde (evtl. auch mit einer Fußkimme, einem Einschlag oder einem Gänsefuß) fixiert sind, kann die Korbwand in verschiedenen Flechttechniken ausgeflochten werden:

  • Das gängigste Geflecht ist das Schichtgeflecht oder kurz die „Schicht“. Hierzu wird in jedem Stakenabstand eine gleich lange und dicke Rute mit dem dicken Ende eingelegt (vor 1 hinter 1), dann werden alle Ruten gemeinsam bis zur Spitze verflochten. Die Korbwand bekommt ein sehr gleichmäßiges Aussehen mit leicht diagonal liegenden Weiden. Es können mehrere Schichten direkt übereinandergelegt werden, man kann sie aber auch mit einer Kimmrunde abtrennen.
  • Ein sehr einfaches und ursprüngliches Geflecht ist das Zäunergeflecht oder kurz das „Zäunen“. In einem beliebigen Stakenabstand wird eine Rute mit dem dicken Ende eingelegt und bis maximal zu ihrem eigenen Anfang ausgeflochten. Die nächste Rute wird einen Stakenabstand nach rechts versetzt eingelegt, ausgeflochten und so weiter. Ein sogenannter Gang ist fertig, wenn in jedem Stakenabstand eine Rute eingelegt und ausgeflochten wurde. Ist ein Gang fertig, muss der Korb rundherum auf gleiche Höhe geklopft werden. Beim Zäunen können mehrere Gänge direkt übereinandergelegt werden, man kann sie aber auch mit einer Kimmrunde abtrennen.
  • Es gibt noch andere Geflechte, wie etwa das gezogene Geflecht, das Zickzackgeflecht, die Wulstkimme, die mehrweidige Schicht oder das Glockengeflecht u.v.a.m. mit denen die Korbwand gestaltet werden kann. Diese Geflechte sind aber nicht so verbreitet und spielen eher eine unbedeutende Rolle.

Eine Besonderheit der Stakenflechterei ist, dass das Schicht- und Zäunergeflecht etwa alle 5cm mit der Handkante oder besser mit dem Schlageisen verdichtet werden muss, damit ein Korb von guter Qualität entsteht. Daher kann man die Stakenflechterei auch als geschlagene Arbeit bezeichnen.

Hat der Korb die gewünschte Höhe erreicht, wird ihm mit einer Kimmrunde Stabilität verliehen. Mit einer hochgezogenen Kimme können auch Tragegriffe eingearbeitet werden.

Allen Stakenkörben gemein ist, dass der Randabschluß oder Zuschlag mit den Staken geflochten wird. Nur so wird erreicht, dass das Geflecht nicht über die Staken nach oben gezogen werden kann. Werden am fertigen Korbrand noch Tragegriffe oder ein Henkel angesetzt, muss der Korb das später zu tragende Gewicht zuverlässig halten können. Dies wird durch das Verflechten der Staken miteinander auf hervorragende Weise gewährleistet.

Papierkorb in Stakentechnik
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Brotkorb in Stakentechnik
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